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Presseberichte 2003


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  • KLINGENDE PROMENADEN-MISCHUNG
    Gelungenes Strassenmusik-Festival "Pflasterklang" des KulturPackts

    SCHWEINFURT- 25 Gruppen aus nah und fern haben beim fünften Strassenmusik-Festival "Pflasterklang" des KulturPackts die Schweinfurter Innenstadt in eine riesige Open-Air-Bühne für Musik und Kleinkunst verwandelt. Das Publikum genoss zwischen den Einkäufen die kurzweiligen Auftritte der Künstler und probierte dabei den ersten Federweissen der Saison.

    Dass heuer sieben Gruppen mehr als im Vorjahr antraten, ist nicht unbedingt ein Gewinn: Obwohl es sich hier ja "nur" um flüchtige Promenaden-Musik handelt, sollte doch immer eine gewissen Qualität geboten werden - die eben zum Stehenbleiben animiert. Solche Probleme hat der Schlagzeuger "Uhuru" als Urgestein der deutschen Afro-Szene nun bestimmt nicht: Er ist ständig vom Publikum umringt, wenn er mit seinen kleinen Söhnen Amadu und Habib auf Djembe-Trommeln die Vielfalt und Komplexität afrikanischer Rhytmen mitreissend demonstriert. Kinderreime und Liedfragmente von der Elfenbeinküste verarbeitet er zu Arrangements: mal meditativ-ruhig, dann scharf attackierend.

    Eigenständig auch die Gruppe "Vivre", die mit leisen Tönen bretonische Volkslieder mit Gitarren-, Flöten- und Drehleierbegleitung stimmungsvoll vorträgt. "Oh, wie lieblich strahlt dein Auge", behaupten die "Schlappeflicker" aus Geldersheim im Walzertakt, und der Obulus ihrer Zuhörer in kleinen Münzen klappert dazu im Sammel-Nachttopf. Um das Thema Liebe geht es auch bei Robert Klein und seinen Vagabunden- und Trinkliedern. Als ein junges Paar vor ihm stehen bleibt, sie mit einem Tizian-Schopf, bricht er sein Lied ab und singt für sie galant die Villon-Ballade "Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt".

    Das "Accoustic Blues Duo" interpretiert schräg-gekonnt "Swanee River": Annie Sauerwein am Schlagzeug mit einem Waschbrett als Brustpanzer-Instrument, Harald Goldhahn mit seiner zwölf Kilo schweren Resonator-Gitarre aus Metall. Und das Duo "Twitch and Toot" begeistert wie im Vorjahr mit swingendem Jazz und Latin Grooves.

    Dazu gibt es Pantomime, Samba-Trommeln, Einrad-Vorführungen des "RV Solidarität", Jonglagen, Musik-Comedy und Folk & Bluegrass. Und für eine nicht angereiste Gruppe springen die "Blue Birds" der Disharmonie (Paula und Anton Mangold) ein und gefallen mit ihrem Spiel auf der Geige, dem Cello und der Harfe.

    Abends fand dann "Pflasterklang" auf der Gutermann-Promenade am Main seinen traditionellen Abschluss: Überall lag Musik in der Luft und vielleicht etwas Sommer-Abschieds-Wehmut. Doch schon in drei Wochen gibt es mit der "nacht der Kultur" eine musikalisch-unterhaltsame Fortsetzung: 40 Künstler aus der Region werden an 17 Spielorten für prächtige Nachsommerstimmung sorgen.

    Manfred Herker, Schweinfurter Tagblatt, 08.09.03






    PEEP-SHOW UND DAS OHR VOM SCHWEIN
    Das erste "Kunst-Karrée" war ein grosser Erfolg

    SCHWEINFURT- Experiment gelungen: Mit dem "Kunst-Karrée" kam am Samstag reichlich frischer Wind in die Altstadt. Als sogar das Wetter auf "Sonne" umschaltete, nahmen Tausende die Einladung des KulturPacktes an, um von Galerie zu Galerie zu schlendern und auch Künstler dort zu entdecken, wo sonst nur Geschäfte gemacht werden bzw. Läden leer stehen.

    Zufrieden konnte Johanna Bonengel Bilanz ziehen: "Ich bin sehr zufrieden", sagt die Vorsitzende, viele Menschen hätten Dinge entdeckt, die sie bisher nicht kannten. "Es kam gute Laune in die Stadt", sagt Bonengel und kündigt an, dass das Kultur-Karrée eine Fortsetzung finden wird.

    Beteiligt waren nicht nur die sieben Galerien im Umfeld des Museums Georg Schäfer, sondern eine ganze Reihe von Geschäften, die ihre Räume oder auch nur Schaufenster zur Ausstellungsfläche machten. 59 Anlaufpunkte", darunter fünf Musikbühnen, luden zum Schauen, Hören, Diskutieren ein. Zu erleben waren die unterschiedlichsten Ausdrucksformen, Ansprüche, Qualitätsniveaus.

    Da präsentierte die Galerie am Schrotturm neben Gustav Wölkl neue Lithografien des Nürnbergers Oskar Koller oder Dorothea Göbel in der Judengasse farbintensive Acrylarbeiten, freie Formen, die vor allem in den kleinen Formaten wirken.

    Bei Wölfels am Fischerrain findet man die bekannten Motive, entdeckt einen wunderbaren Innenstadtgarten, der dem Harfenspiel einiger Musikschüler einen romantischen Rahmen gibt.

    In der Burggasse nutzen die Schützlinge Frank Webers einen Leerstand, wo grossformatige Bilder, die soziale Situation in Cochabamba spiegeln. Im Ebracher Hof drücken die Besucher ihre Nasen auf rote Herzen. Zur "Peep-Show" ist geladen. Es sind vielleicht zwei Dutzend Installationen, die nur durch ein Guckloch zu sehen sind. "Schwein gehabt", überschreibt Ingo Schäfer sein auf Provokation angelegtes Experiment in der Galerie im Gewölbe (Judengasse). Auf grossen Tafeln hat er echte Schweineohren, -schwänze, -augen montiert, Schweinefüsse nimmt er als Druckstempel. Darüber lässt sich gut debattieren. Ein schöner Kontrast dazu die Keramiken von Elisabeth Tgahrt-Philipp.

    Wer alles sehen wollte, der brauchte reichlich Zeit und gewiss auch gutes Schuhwerk. Viele haben sich für einige Ausschnitte aus dem Gesamtkunstwerk entschieden. Im nächsten Jahr gibt es ja wieder ein Kunst-Karrée. Hoffentlich.






    PRALLES LEBEN IN ACHT MINUTEN
    Vierte Schweinfurter Kurzfilmtage

    SCHWEINFURT- Der neue Tag hat schon begonnen, als Diana Schmeltzer (Kino und Kneipe) und Gerald J. Günther (KulturPackt) bei einem Glas Prosecco Bilanz ziehen: Die vierten Schweinfurter Kurzfilmtage wurden wieder zu einem überaus grossen Erfolg.

    Von Jahr zu Jahr steigen die Besucherzahlen, diesmal waren sechs der insgesamt acht Abendvorstellungen ausverkauft. "Die Schweinfurter mögen diese kurzweilige Mischung aus Satire, Comedy, schwarzem Humor und Experimentellem", bestätigen noch einmal beide Verantwortlichen, die von der Faszination des Kurzfilms längst gefangen sind.

    Und tatsächlich erwartete die Zuschauer in jedem der beiden Programmblöcke aus je 13 Kurzfilmen ein buntes Kaleidoskop des (oft eigenen) Lebens: So viele Facetten, so viele Blickwinkel, so viel Stimmung kann eigentlich kein grosser Kinofilm bieten. Einige Beispiele mögen das verdeutlichen, sie erklären auch den Beifall des begeisterten Publikums nach den einzelnen Filmen.

    Dem regionalen Nachwuchs eine Chance: So standen am Beginn jeweils Video-gefertigte Filme: "Städter", eine Facharbeit der Schweinfurterin Anna-Lena Ludwig, setzt ein Gedicht von Alfred Wolfenstein (1914) behutsam in Bilder um: "Am Schluss steht jeder fern und fühlt: allein". Die Videogruppe des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums fertigte mit "Outcoming" einen Werbespot zum Thema "Gibt Aids keine Chance" und auch "Antonius in der Wüste" entstand als Facharbeit am AvH-Gymnasium. Abschlussarbeiten des Fachhochschule Würzburg zeigen viel Gelungenes, etwa den prämierten Film "Bim".

    Die Gefahren der Jagdleidenschaft beschreibt voller Ironie "High hide noon" von Alex Weimer: Zwei Jäger, zwei Hochsitze, zwei Gewehre, doch nur ein Hase - das kann selbst in fränkischen Landen nicht gut gehen. Liebevoll-skurril geht es zu in "Solo-Talent": Ein sprechender Rabe verändert das Leben des immer frierenden Eigenbrötlers Baumzelt. Endlich kann er sich acht Heizdecken kaufen. Eine gekonnte Parodie auf die Krankenhaus-Serien bringt "Das Taschenorgan", während "Das Ei" augenzwinkernd auf die Duschszene in Hitchcocks "Psycho" Bezug nimmt.

    "Neulich" sind alltägliche Beobachtungen des Malers und Filmemachers Jochen Kuhn: im eigenwilligen Stil handgezeichnet, mit trockenen Kommentaren unterlegt. Einmal geht es um den "Festtag" eines Arztbesuches, dann um eine Liebelei in der Bushaltestelle. In "Swapped" tauscht William seinen Vater gegen ein Glas schöner Goldfische. Das hat Folgen. Im irischen Plastilin-Trickfilm " Guy's Dog" hält sich der Hund für einen Mann, der in einem Hundekörper gefangen ist. Bietet sich hier Alkohol als Trost?

    Ein Gläschen zumindest gönnen sich die Besucher in der Pause. Man steht zusammen, diskutiert, lässt die gerade erlebten Geschichten noch einmal Revue passieren. Hier bewährt sich wieder einmal die hervorragend das die Kommunikation fördernde Konzept vom KuK, sowie die Kinoleidenschaft von Diana Schmeltzer, Jürgen Köhler und KulturPackt-Geschäftsführer Gerald J. Günther.

    Manfred Herker, Schweinfurter Tagblatt, 23.04.03