SCHWEINFURT- Der neue Tag hat schon begonnen, als Diana Schmeltzer (Kino und Kneipe) und Gerald J. Günther (KulturPackt) bei einem Glas Prosecco Bilanz ziehen: Die vierten Schweinfurter Kurzfilmtage wurden wieder zu einem überaus grossen Erfolg.
Von Jahr zu Jahr steigen die Besucherzahlen, diesmal waren sechs der insgesamt acht Abendvorstellungen ausverkauft. "Die Schweinfurter mögen diese kurzweilige Mischung aus Satire, Comedy, schwarzem Humor und Experimentellem", bestätigen noch einmal beide Verantwortlichen, die von der Faszination des Kurzfilms längst gefangen sind.
Und tatsächlich erwartete die Zuschauer in jedem der beiden Programmblöcke aus je 13 Kurzfilmen ein buntes Kaleidoskop des (oft eigenen) Lebens: So viele Facetten, so viele Blickwinkel, so viel Stimmung kann eigentlich kein grosser Kinofilm bieten. Einige Beispiele mögen das verdeutlichen, sie erklären auch den Beifall des begeisterten Publikums nach den einzelnen Filmen.
Dem regionalen Nachwuchs eine Chance: So standen am Beginn jeweils Video-gefertigte Filme: "Städter", eine Facharbeit der Schweinfurterin Anna-Lena Ludwig, setzt ein Gedicht von Alfred Wolfenstein (1914) behutsam in Bilder um: "Am Schluss steht jeder fern und fühlt: allein". Die Videogruppe des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums fertigte mit "Outcoming" einen Werbespot zum Thema "Gibt Aids keine Chance" und auch "Antonius in der Wüste" entstand als Facharbeit am AvH-Gymnasium. Abschlussarbeiten des Fachhochschule Würzburg zeigen viel Gelungenes, etwa den prämierten Film "Bim".
Die Gefahren der Jagdleidenschaft beschreibt voller Ironie "High hide noon" von Alex Weimer: Zwei Jäger, zwei Hochsitze, zwei Gewehre, doch nur ein Hase - das kann selbst in fränkischen Landen nicht gut gehen. Liebevoll-skurril geht es zu in "Solo-Talent": Ein sprechender Rabe verändert das Leben des immer frierenden Eigenbrötlers Baumzelt. Endlich kann er sich acht Heizdecken kaufen. Eine gekonnte Parodie auf die Krankenhaus-Serien bringt "Das Taschenorgan", während "Das Ei" augenzwinkernd auf die Duschszene in Hitchcocks "Psycho" Bezug nimmt.
"Neulich" sind alltägliche Beobachtungen des Malers und Filmemachers Jochen Kuhn: im eigenwilligen Stil handgezeichnet, mit trockenen Kommentaren unterlegt. Einmal geht es um den "Festtag" eines Arztbesuches, dann um eine Liebelei in der Bushaltestelle. In "Swapped" tauscht William seinen Vater gegen ein Glas schöner Goldfische. Das hat Folgen. Im irischen Plastilin-Trickfilm " Guy's Dog" hält sich der Hund für einen Mann, der in einem Hundekörper gefangen ist. Bietet sich hier Alkohol als Trost?
Ein Gläschen zumindest gönnen sich die Besucher in der Pause. Man steht zusammen, diskutiert, lässt die gerade erlebten Geschichten noch einmal Revue passieren. Hier bewährt sich wieder einmal die hervorragend das die Kommunikation fördernde Konzept vom KuK, sowie die Kinoleidenschaft von Diana Schmeltzer, Jürgen Köhler und KulturPackt-Geschäftsführer Gerald J. Günther.
Manfred Herker, Schweinfurter Tagblatt, 23.04.03