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  • Aus Zeitgründen wurde der Pressespiegel seit Ende 2004 nicht mehr aktualisiert. Hier finden sich Artikel zu unseren Veranstaltungen in den Jahren 2000 - 2004.


    Über die 8. Nacht der Kultur am 25. September 04



    Feuerzauber und frivole Lieder
    In der Nacht der Kultur war Schweinfurt bereits zum 8. Mal "ver-rückt"

    SCHWEINFURT - Längst und zu Recht hat sie ihren festen Platz im Schweinfurter Kultur-Kalender: die "Nacht der Kultur", in der die also Schaffenden überwiegend an Orten auftreten, an denen man sie nicht unbedingt vermutet: Frivole Lieder, zum Beispiel, gab es in der Bibliothek Otto Schäfer.

    "Zum Verrücktwerden schön" sollte sie werden, die "Nacht der Kultur" in Schweinfurt, wünschte "KulturPackt"-Vorsitzende Johanna Bonengel bei der Eröffnung in der Galerie Alte Reichsvogtei. Und den 40 Künstlern und Gruppen an 15 Lokalitäten im Stadtgebiet gelang es auch in diesem Jahr wieder, dem nächtlichen Spektakel die Atmosphäre zu verleihen, die es seit nunmehr acht Jahren so einzigartig macht.

    Zwangloser Wechsel von einer Spielstätte zur anderen: von bulgarischen Weisen des Ensembles "Willie le Truc" in der Reichsvogtei zu deftigem Kabarett mit "Vicki Vomit" in der Buchhandlung Collibri am Markt, von der Rückert-Vertonung des "poetry club 3" im Schrotturmkeller zu den frivolen Liedern des "Duo Sehnsucht" in der Bibliothek Otto Schäfer. Letztere wurde wie auch der Stattbahnhof, wo unter anderem Klezmer-Punk zu hören war, durch den roten Doppeldecker-Kulturbus an das Geschehen angebunden.

    Zum ersten Mal vertreten war unter den Veranstaltungsorten der Waschsalon in der Bauerngasse. Wo der akustische Alltag aus dem Rauschen von Waschmaschinen besteht, tönte plötzlich die Gitarre, völlig "unplugged" natürlich und zu unverstärktem Live-Gesang, bevor das Würzburger Duo "Max Radio" ungewöhnliche Pop-Arrangements darbot. Kultur auf dem Wasser gab es auf dem Fahrgastschiff MS Schweinfurt an der Gutermann-Promenade, unter anderem türkische Friedenslieder der Gruppe "Mozaik".

    Vergleichsweise niedrige Temperaturen taten den Besucherzahlen keinen Abbruch. KulturPackt-Geschäftsführer Jimmij Günther (richtig wäre: Jimij) schätzte die Zahl der verkauften Eintrittsbändchen auf 1200, insgesamt seien wohl um die 2000 Freunde der Nacht unterwegs gewesen. Zufriedenheit auch bei Johanna Bonengel. Das einzig negative Feedback am Infostand habe sich auf die Überfüllung der Spielstätten bezogen, aber damit muß man leben können.

    Für den "KulturPackt", der das Event nun zum achten Mal, zum vierten Mal im Rahmen des Schweinfurter Nachsommers organisiert hat, stellt die Nacht der Kultur stets eine organisatorische Herrausforderung dar, die neben dem hauptamtlichen Geschäftsführer zehn Ehrenamtliche meisterten.

    Das Ende des Kernprogramms markierte auch diesmal ein eindrucksvolles Freiluft-Spektakel auf dem Marktplatz, das die Veranstalter als Geschenk des "KulturPackts" an die Gäste anläßlich seines zehnjährigen Bestehens gewertet wissen wollten. Mit einer Mischung aus Kabarett, Akrobatik und einer Prise Erotik begeisterte die dreiköpfige Hamburger Truppe "Die Schutzengel" zwischen 23 und 24 Uhr mehrere hundert Zuschauer vor dem Rückert-Denkmal.

    "Feuer bekämpfen, Leben retten und jede Menge Chaos stiften" beschreibt das Programm das Wirken der drei hanseatischen Pseudo-Feuerwehrmänner, deren Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn als Feuer, Wasser und Dampf speiendes Gesamtkunstwerk den Marktplatz unsicher machte. Allerdings ließ es sich auch die Schweinfurter Feuerwehr nicht nehmen, ihre nächtliche Einsatzbereitschaft zu belegen und schickte den drei französischsprachigen Hanseaten ein Löschfahrzeug zur Unterstützung.

    Nach diesem Beweis der Beherrschbarkeit der Elemente machten sie die "Schutzengel" pyromanisch ans Abschluss- Feuerwerk. Dieses war nicht nur optisch beachtlich, auch die Soundeffekte machten es zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Ein angemessener Schlusspunkt zumindest für diejenigen, die nicht zu den Unermüdlichen, die danach noch bis 2 Uhr morgens das Nachtprogramm in Stattbahnhof und Disharmonie genossen.

    Florian Töpper, Schweinfurter Tagblatt, Mo., 27. September 2004